Nach 117 Jahren – Traditionsmarkt in Ottenhöfen schließt zum Jahresende
von Mike Käshammer (Kommentare: 0)
Seit mehr als 117 Jahren werden in dem Geschäft in der Allerheiligenstraße Lebensmittel verkauft. Generationen von Ottenhöfenerinnen und Ottenhöfenern kauften hier ein – viele kennen den Markt bis heute noch als „s' Huber-Krämers“ oder „s' REMA“. Nun endet diese lange Tradition: Der Ottenhöfener Landmarkt wird zum Jahresende schließen. Ein genauer Termin für den letzten Verkaufstag steht derzeit noch nicht fest.
Für Geschäftsführer Mike Käshammer ist dieser Schritt einer der schwierigsten seiner unternehmerischen Laufbahn. „Der Weg zu diesem Entschluss war nicht leicht. Es tut mir vor allem für Ottenhöfen leid – für die Einwohnerinnen und Einwohner, aber auch für die vielen Touristen, die den Landmarkt regelmäßig genutzt haben."
Als Mike Käshammer den Landmarkt zum 1. Januar 2020 übernahm, tat er dies mit einem klaren Ziel: die Nahversorgung im Ort zu sichern und Ottenhöfen ein Stück lebenswerter zu machen. Dieses Ziel verfolgte bereits seine Mutter, die den Markt seit 2008 mit großem persönlichem Engagement führte und das Traditionsgeschäft durch sein 100-jähriges Jubiläum begleitete.
In den vergangenen Jahren haben sich die Rahmenbedingungen im Lebensmitteleinzelhandel spürbar verändert. Die Kundenfrequenz und die Umsätze sind kontinuierlich zurückgegangen, während gleichzeitig die Kosten – insbesondere für Energie und Personal – deutlich gestiegen sind. Hinzu kommen sinkende Handelsspannen, wodurch der wirtschaftliche Spielraum für kleinere, inhabergeführte Lebensmittelmärkte zunehmend eingeschränkt wird.
Der Ottenhöfener Landmarkt konnte in den vergangenen Jahren dank des Zusammenspiels mit den weiteren Geschäftsfeldern der Familie Käshammer – dem Familienunternehmen Getränke Käshammer, das in diesem Jahr sein 80-jähriges Bestehen in vierter Generation feiert, sowie dem Kiosk am Kurpark – erfolgreich weitergeführt werden. Um das Familienunternehmen auch künftig nachhaltig und zukunftssicher aufzustellen, fiel nun die Entscheidung, die vorhandenen personellen und wirtschaftlichen Ressourcen künftig stärker auf diese beiden Geschäftsfelder zu konzentrieren.
„Der zeitliche und persönliche Einsatz, den der Betrieb des Landmarktes erfordert, steht leider nicht mehr in einem vertretbaren Verhältnis zum wirtschaftlichen Ergebnis. Diese Entscheidung fällt uns alles andere als leicht, ist aber notwendig, um unser Familienunternehmen zukunftssicher aufzustellen."
Nicht ausschlaggebend für die Entscheidung waren hingegen die Mietkonditionen. Mit den Vermietern verbindet die Familie Käshammer seit vielen Jahren eine vertrauensvolle und partnerschaftliche Zusammenarbeit, für die sie ausdrücklich dankbar ist.
Die Geschichte des Landmarktes begann am 1. Juni 1909, als Karl Friedrich Huber in der Allerheiligenstraße ein Ladengeschäft eröffnete. Es folgten zahlreiche Betreiber und Namenswechsel – vom Konsum über den Spar-Markt bis hin zum heutigen Ottenhöfener Landmarkt. Trotz mehrerer Modernisierungen blieb das Geschäft seinem ursprünglichen Standort stets treu und war über Generationen hinweg ein fester Bestandteil des Ortslebens. Doch mit dem Wandel im Einzelhandel, der Konkurrenz großer Supermärkte und den baulichen Gegebenheiten des historischen Gebäudes wurde es zunehmend schwieriger, den Markt wirtschaftlich erfolgreich zu betreiben.
Noch steht nicht fest, wann der Landmarkt seine Türen endgültig schließen wird. Bis dahin läuft der Betrieb wie gewohnt weiter. Eine Hoffnung gibt es dennoch.
„Die Geschichte des Landmarktes muss aus unserer Sicht noch nicht zu Ende sein. Vielleicht bringt ein neuer Betreiber neue Ideen und eine andere Perspektive mit. Wenn sich jemand diese Aufgabe vorstellen kann, freue ich mich jederzeit über eine Kontaktaufnahme."
Sollte sich kein Nachfolger finden, endet mit der Schließung eine Einkaufstradition, die das Ortsbild von Ottenhöfen über mehr als ein Jahrhundert geprägt hat. Bis dahin bleibt jedoch die Hoffnung, dass die Geschichte des Ottenhöfener Landmarktes an gleicher Stelle fortgeschrieben werden kann.
Bericht + Foto: Mike Käshammer / Ottenhöfener Landmarkt
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